Zwei verwandte, aber verschiedene Zustände
Sarkopenie bezeichnet den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse und -funktion, der vor allem im Alter auftritt. Kachexie ist ein krankheitsbedingtes Auszehrungssyndrom mit ungewolltem Gewichts- und Muskelverlust, das häufig bei Krebs, COPD oder chronischer Herzinsuffizienz vorkommt. Beide Zustände sind bei Menschen mit Dysphagie besonders verbreitet, weil die eingeschränkte Nahrungsaufnahme den Muskelabbau beschleunigt.
Warum Dysphagie den Muskelabbau fördert
Texturmodifizierte Kost hat oft eine niedrigere Energiedichte als normale Kost, weil beim Pürieren und Binden Flüssigkeit zugesetzt wird. Gleichzeitig essen viele Betroffene weniger aus Angst vor Verschlucken oder weil Mahlzeiten anstrengend und langwierig sind. Die Folge: chronisch unzureichende Protein- und Kalorienzufuhr – der wichtigste Treiber von Muskelverlust.
Ein Teufelskreis
Sarkopenie betrifft auch die Schluckmuskulatur. Schwächere Zungen- und Rachenmuskeln verschlechtern die Schluckfunktion zusätzlich – ein Teufelskreis entsteht: Dysphagie → weniger Essen → Muskelverlust → schlechteres Schlucken → noch weniger Essen. Dieser Zusammenhang wird in der Fachliteratur als «sarcopenic dysphagia» beschrieben.
Proteinversorgung sichern
Die Ernährung spielt eine Schlüsselrolle in der Prävention und Behandlung. Empfohlen wird bei gefährdeten Personen eine Proteinzufuhr von mindestens 1,0 bis 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag – bei bestehender Sarkopenie gegebenenfalls mehr. Praktische Wege:
- Proteinreiche Zutaten in pürierte Speisen einarbeiten (z. B. Magerquark, Eier, Proteinpulver)
- Nährstoffanreicherung mit Öl, Rahm und Nussmusen für zusätzliche Kalorien
- Orale Nahrungssupplemente (ONS) bei unzureichender oraler Aufnahme
Bewegung als Partner der Ernährung
Ernährung allein reicht nicht: Körperliche Aktivität – soweit möglich – ist der stärkste Stimulus gegen Sarkopenie. Auch gezielte Schluckmuskelübungen im Rahmen der Schlucktherapie trainieren die beteiligte Muskulatur. Die Kombination aus ausreichend Protein und Aktivierung zeigt die besten Ergebnisse.
Monitoring
Regelmässige Gewichtskontrollen, Ernährungsscreenings (z. B. MNA, NRS 2002) und die Beobachtung der Portionsgrössen helfen, eine Verschlechterung früh zu erkennen. Die enge Zusammenarbeit von Ernährungsberatung, Logopädie und Pflege ist entscheidend.
Nachvollziehbar
Quellen & Referenzen
- [1]Fujishima, I., et al. (2019). Sarcopenia and dysphagia: Position Paper by Four Professional Organizations. Geriatrics & Gerontology International, 19(2), 91-97.
- [2]Cruz-Jentoft, A.J., et al. (2019). Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing, 48(1), 16-31.
- [3]Volkert, D., et al. (2019). ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clinical Nutrition, 38(1), 10-47.
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