Ausgewählte Fachbeiträge, Studien, Leitlinien, Podcasts und Buchrezensionen rund um Dysphagie und IDDSI. Alle Inhalte werden kurz fachlich eingeordnet und mit der Originalquelle verlinkt. Kommende Veranstaltungen finden Sie auf der eigenen Terminseite. Wir zitieren und verlinken, statt Inhalte zu kopieren.
Shah, Greetham, Hirth et al. beschreiben eine zentrale Lücke in der Dysphagie-Ernährung: Ein IDDSI-konformes Gericht kann den Löffelkipptest bestehen und dennoch ernährungsphysiologisch ungenügend sein – weil ältere Menschen oft nur einen Teil der Portion essen (Müdigkeit, Appetitverlust, lange Mahlzeiten). Die Autor:innen prägen dafür den Begriff «intake–adequacy gap» und fordern, texturmodifizierte Kost nicht nur nach Konsistenz, sondern als strukturierte ernährungstherapeutische Intervention zu bewerten.
Forschung 2026·Journal of Texture Studies, 57(4): e70095 (Open Access)
Ismael-Mohammed, Laguna et al. untersuchen, wie ältere Menschen texturmodifizierte Lebensmittel nach IDDSI, BDA und Smile Care System klassifizieren – und vergleichen das mit instrumentellen Messungen (Texturanalyse, Rheologie). Ergebnis: Bei halbfesten, hochviskosen Lebensmitteln weichen die instrumentellen IDDSI-Einstufungen von der Wahrnehmung der Teilnehmenden ab. Die Senior:innen empfanden die Systeme als zu technisch und schlugen einfachere Sprache sowie Lebensmittelvergleiche als Orientierungshilfe vor.
Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum haben Logopädie und Ernährungstherapie gemeinsam die IDDSI-Konsistenzstufen 4 und 6 zu attraktiven Menüs weiterentwickelt. Ein Video zeigt die farbenfrohen Ergebnisse und die standardisierten Testverfahren.
Shi et al. liefern ein umfassendes Review über aktuelle Ansätze in der Entwicklung dysphagiespezifischer Nahrungsmittel – von rheologischer und tribologischer Modulation über Protein-Polysaccharid-Systeme bis hin zu 3D-Food-Printing. Die Autor:innen schlagen ein translationales Modell vor, das In-vitro-Materialdesign, instrumentelle Schluckdiagnostik und klinische Outcomebewertung innerhalb des IDDSI-Frameworks verbindet.
Podcast 01.07.2026·dysphagie.ch / Schweizer Paraplegiker-Stiftung
Tom Hug und Joel Jung sprechen im SPZ-Podcast über Essen und Trinken nach einer Querschnittlähmung: Herausforderungen beim Schlucken, Bedeutung bildgebender Diagnostik, schrittweiser Kostaufbau – und das legendäre IDDSI-4-Linzertörtli.
Forschung 2026·Current Research in Food Science, Vol. 12, 101431 (Open Access)
Ding et al. untersuchen erstmals systematisch den Einsatz von Ingwerstärke in Kombination mit Molkenproteinisolat (WPI) für texturmodifizierte Dysphagie-Kost. Die Ergebnisse zeigen, dass Ingwerstärke als strukturell anpassbare Gelmatrix dient und WPI den oralen Verarbeitungswiderstand senkt, ohne die Strukturintegrität zu beeinträchtigen – vielversprechend für die IDDSI-konforme Lebensmittelentwicklung.
Forschung 2026·Springer / Neurological Research and Practice (2026)
Eine Befragung zertifizierter FEES-Ausbilder:innen zeigt: Stationär ist FEES gut etabliert (74 % Akutspitäler, 46 % Reha-Kliniken). Ambulant bieten jedoch nur 54 % der Einrichtungen FEES an – besonders in ländlichen und ostdeutschen Regionen fehlt es an zugänglichen Angeboten.
Forschung 2026·Springer / BMC Health Services Research (2026)
Erstmals wurde die psychische Belastung von Logopäd:innen und Atemtherapeut:innen nach kritischen Schluckereignissen untersucht. 71,6 % der Befragten berichten von «Second-Victim»-Symptomen nach Aspirationen, Erstickungssituationen oder Palliativbegleitungen.
Die komplett überarbeitete Neuauflage des Standardwerks bietet neue Videosequenzen per QR-Code, ein massgebend erweitertes Kapitel zur invasiven Beatmung und aktuelle Fallbeispiele. Erhältlich als Print und E-Book beim Schulz-Kirchner Verlag.
Donohue et al. untersuchten 33 schluckgesunde Personen gleichzeitig mittels FEES und Videofluoroskopie. Rund 20 % zeigten Penetrationen oberhalb der Stimmlippenebene, 25 % pharyngeale Residuen – ein wichtiger Hinweis, diagnostische Befunde nicht vorschnell als pathologisch einzustufen.
Eine Metaanalyse aus Taiwan (16 RCTs, >1800 Patient:innen) zeigt: Texturmodifizierte Kost verbessert die Energie- und Proteinaufnahme signifikant. Andicken allein senkt das Aspirationsrisiko – die Flüssigkeitsaufnahme steigt aber nur in Kombination mit einem begleitenden Wasserprotokoll.
Der Verband der Diätassistenten (VDD) fördert den interdisziplinären Austausch zur IDDSI-Implementierung. Erfolgsfaktor: ein funktionierendes Schnittstellenmanagement zwischen Logopädie, Ernährungstherapie, Pflege und Küche.
Der SWR-Podcast bietet interessante Einblicke in den normalen Schluckablauf, mögliche Diagnostik- und Therapieschritte bei Schluckstörungen – und zeigt den Beruf der Logopäd:in von einer spannenden Seite.
Eine aktuelle Arbeit in «Techniken in der Notfallmedizin» zeigt, dass Schläge auf den Rücken bei Fremdkörperaspiration bessere Erfolgschancen haben als das Heimlich-Manöver. Wichtig: Bei insuffizientem Hustenstoss – gerade bei Dysphagie-Patient:innen – bleibt das Heimlich-Manöver unverzichtbar.
Thomas Greuter (Gastroenterologie, Spital Wetzikon) erklärt, was Eosinophile Ösophagitis (EoE) ist, wie sie diagnostiziert wird und warum sie auffallend häufig bei jungen Männern auftritt. Eine Erkrankung, die übrigens von einem Schweizer entdeckt wurde.
Seit Herbst 2022 sind Instant-Dickungsmittel wie ThickenUp® clear auf der Mittel- und Geräte-Liste (MiGeL) der Schweizer Krankenversicherer registriert. Die Kosten werden mit ärztlicher Verordnung von der Grundversicherung übernommen.
Ein umfassender Überblick über aktuelle diagnostische Möglichkeiten mit besonderer Berücksichtigung der FEES. 22 Kasuistiken mit online abrufbaren Originalvideos machen den Praxisbezug greifbar – empfehlenswert für Einsteiger wie Erfahrene.
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