Ausgewählte Fachbeiträge, Studien, Leitlinien, Podcasts und Buchrezensionen rund um Dysphagie und IDDSI. Alle Inhalte werden kurz fachlich eingeordnet und mit der Originalquelle verlinkt. Kommende Veranstaltungen finden Sie auf der eigenen Terminseite. Wir zitieren und verlinken, statt Inhalte zu kopieren.
Warner et al. untersuchten rückblickend Zusammenhänge zwischen klinischen Merkmalen und unzureichender Mundgesundheit bei Menschen ab 65 Jahren mit Dysphagie in den USA; die multivariable Analyse umfasste 18’395 vollständige Datensätze. Unter anderem waren Hilfebedarf beim Essen und texturmodifizierte Kost mit unzureichender Mundgesundheit verbunden. Das belegt nicht, dass pürierte Kost die Mundgesundheit verschlechtert; aus der Beobachtungsstudie lassen sich weder Ursache und Wirkung noch neue Rezepturvorgaben ableiten. Unsere Einordnung für Schweizer Alters- und Pflegeheime: Neben der verordneten Konsistenz verdient die Mundgesundheit Aufmerksamkeit in der Zusammenarbeit zwischen Pflege, Logopädie, Küche und zahnmedizinischen Fachpersonen. Grundlage dieser Meldung ist der Originalabstract, nicht eine Volltextauswertung; die Übertragbarkeit der US-Daten auf die Schweizer Versorgung ist begrenzt.
Forschung 21.09.2026·Lee & Kwak · Journal of Yeungnam Medical Science (2026), Originalabstract
Lee und Kwak werteten in einer prospektiven Beobachtungsstudie aus Südkorea 44 von ursprünglich 54 Erwachsenen mit nicht-neurologischer Dysphagie über drei Monate aus: Höhere Werte auf der Penetrations-Aspirations-Skala zu Beginn waren mit einer stärkeren Verschlechterung des Ernährungszustands im MNA-SF verbunden – auch nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren. Die kleine, monozentrische Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis dafür, dass Aspiration Mangelernährung verursacht; eine bestimmte IDDSI-Stufe oder Rezeptur wurde damit nicht als Lösung nachgewiesen. Unsere Einordnung für Schweizer Alters- und Pflegeheime: Neben der verordneten Konsistenz sollten tatsächliche Nahrungsaufnahme und Ernährungszustand gemeinsam durch Pflege, Ernährungsberatung, Logopädie und Küche im Blick behalten werden. Grundlage dieser Meldung ist der Originalabstract, nicht eine Volltextauswertung.
IDDSI 14.09.2026·Abraham et al. · Journal of Nutrition in Gerontology and Geriatrics (2026), Originalabstract
Abraham et al. entwickelten und prüften gemeinsam mit Mitarbeitenden aus der Langzeitpflege 15 Rezepte, ergänzt durch ein E-Kochbuch und Anleitungsvideos; bei Texturtests mit gebräuchlichen Zutaten ergaben unterschiedliche Mixer Pürees verschiedener IDDSI-Stufen. Unsere Einordnung für Schweizer Heimküchen: Ein Rezept allein garantiert keine bestimmte Konsistenz – die tatsächlich hergestellte Speise muss mit den eigenen Geräten und den passenden IDDSI-Tests geprüft werden. Die im Abstract beschriebenen Garnituren entsprechen IDDSI-Stufe 3 und sind keine pauschale Freigabe als Ergänzung für Level-4-Kost; entscheidend bleiben die individuelle Verordnung und die Prüfung der fertigen Speise. Grundlage ist der Originalabstract in Europe PMC; ein verbesserter Ernährungszustand der Bewohner oder neue Vorgaben für Bindemittel und Gefrier-Tau-Prozesse lassen sich daraus nicht ableiten.
Forschung 17.08.2026·Frontiers in Nutrition (2026, Open Access)
Shah, Greetham, Hirth et al. beschreiben eine zentrale Lücke in der Dysphagie-Ernährung: Ein IDDSI-konformes Gericht kann den Löffelkipptest bestehen und dennoch ernährungsphysiologisch ungenügend sein – weil ältere Menschen oft nur einen Teil der Portion essen (Müdigkeit, Appetitverlust, lange Mahlzeiten). Die Autor:innen prägen dafür den Begriff «intake–adequacy gap» und fordern, texturmodifizierte Kost nicht nur nach Konsistenz, sondern als strukturierte ernährungstherapeutische Intervention zu bewerten.
Forschung 2026·Journal of Texture Studies, 57(4): e70095 (Open Access)
Ismael-Mohammed, Laguna et al. untersuchen, wie ältere Menschen texturmodifizierte Lebensmittel nach IDDSI, BDA und Smile Care System klassifizieren – und vergleichen das mit instrumentellen Messungen (Texturanalyse, Rheologie). Ergebnis: Bei halbfesten, hochviskosen Lebensmitteln weichen die instrumentellen IDDSI-Einstufungen von der Wahrnehmung der Teilnehmenden ab. Die Senior:innen empfanden die Systeme als zu technisch und schlugen einfachere Sprache sowie Lebensmittelvergleiche als Orientierungshilfe vor.
Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum haben Logopädie und Ernährungstherapie gemeinsam die IDDSI-Konsistenzstufen 4 und 6 zu attraktiven Menüs weiterentwickelt. Ein Video zeigt die farbenfrohen Ergebnisse und die standardisierten Testverfahren.
Shi et al. liefern ein umfassendes Review über aktuelle Ansätze in der Entwicklung dysphagiespezifischer Nahrungsmittel – von rheologischer und tribologischer Modulation über Protein-Polysaccharid-Systeme bis hin zu 3D-Food-Printing. Die Autor:innen schlagen ein translationales Modell vor, das In-vitro-Materialdesign, instrumentelle Schluckdiagnostik und klinische Outcomebewertung innerhalb des IDDSI-Frameworks verbindet.
Podcast 01.07.2026·dysphagie.ch / Schweizer Paraplegiker-Stiftung
Tom Hug und Joel Jung sprechen im SPZ-Podcast über Essen und Trinken nach einer Querschnittlähmung: Herausforderungen beim Schlucken, Bedeutung bildgebender Diagnostik, schrittweiser Kostaufbau – und das legendäre IDDSI-4-Linzertörtli.
Forschung 2026·Current Research in Food Science, Vol. 12, 101431 (Open Access)
Ding et al. untersuchen erstmals systematisch den Einsatz von Ingwerstärke in Kombination mit Molkenproteinisolat (WPI) für texturmodifizierte Dysphagie-Kost. Die Ergebnisse zeigen, dass Ingwerstärke als strukturell anpassbare Gelmatrix dient und WPI den oralen Verarbeitungswiderstand senkt, ohne die Strukturintegrität zu beeinträchtigen – vielversprechend für die IDDSI-konforme Lebensmittelentwicklung.
Forschung 2026·Springer / Neurological Research and Practice (2026)
Eine Befragung zertifizierter FEES-Ausbilder:innen zeigt: Stationär ist FEES gut etabliert (74 % Akutspitäler, 46 % Reha-Kliniken). Ambulant bieten jedoch nur 54 % der Einrichtungen FEES an – besonders in ländlichen und ostdeutschen Regionen fehlt es an zugänglichen Angeboten.
Forschung 2026·Springer / BMC Health Services Research (2026)
Erstmals wurde die psychische Belastung von Logopäd:innen und Atemtherapeut:innen nach kritischen Schluckereignissen untersucht. 71,6 % der Befragten berichten von «Second-Victim»-Symptomen nach Aspirationen, Erstickungssituationen oder Palliativbegleitungen.
Die komplett überarbeitete Neuauflage des Standardwerks bietet neue Videosequenzen per QR-Code, ein massgebend erweitertes Kapitel zur invasiven Beatmung und aktuelle Fallbeispiele. Erhältlich als Print und E-Book beim Schulz-Kirchner Verlag.
Donohue et al. untersuchten 33 schluckgesunde Personen gleichzeitig mittels FEES und Videofluoroskopie. Rund 20 % zeigten Penetrationen oberhalb der Stimmlippenebene, 25 % pharyngeale Residuen – ein wichtiger Hinweis, diagnostische Befunde nicht vorschnell als pathologisch einzustufen.
Eine Metaanalyse aus Taiwan (16 RCTs, >1800 Patient:innen) zeigt: Texturmodifizierte Kost verbessert die Energie- und Proteinaufnahme signifikant. Andicken allein senkt das Aspirationsrisiko – die Flüssigkeitsaufnahme steigt aber nur in Kombination mit einem begleitenden Wasserprotokoll.
Der Verband der Diätassistenten (VDD) fördert den interdisziplinären Austausch zur IDDSI-Implementierung. Erfolgsfaktor: ein funktionierendes Schnittstellenmanagement zwischen Logopädie, Ernährungstherapie, Pflege und Küche.
Der SWR-Podcast bietet interessante Einblicke in den normalen Schluckablauf, mögliche Diagnostik- und Therapieschritte bei Schluckstörungen – und zeigt den Beruf der Logopäd:in von einer spannenden Seite.
Eine aktuelle Arbeit in «Techniken in der Notfallmedizin» zeigt, dass Schläge auf den Rücken bei Fremdkörperaspiration bessere Erfolgschancen haben als das Heimlich-Manöver. Wichtig: Bei insuffizientem Hustenstoss – gerade bei Dysphagie-Patient:innen – bleibt das Heimlich-Manöver unverzichtbar.
Thomas Greuter (Gastroenterologie, Spital Wetzikon) erklärt, was Eosinophile Ösophagitis (EoE) ist, wie sie diagnostiziert wird und warum sie auffallend häufig bei jungen Männern auftritt. Eine Erkrankung, die übrigens von einem Schweizer entdeckt wurde.
Seit Herbst 2022 sind Instant-Dickungsmittel wie ThickenUp® clear auf der Mittel- und Geräte-Liste (MiGeL) der Schweizer Krankenversicherer registriert. Die Kosten werden mit ärztlicher Verordnung von der Grundversicherung übernommen.
Ein umfassender Überblick über aktuelle diagnostische Möglichkeiten mit besonderer Berücksichtigung der FEES. 22 Kasuistiken mit online abrufbaren Originalvideos machen den Praxisbezug greifbar – empfehlenswert für Einsteiger wie Erfahrene.
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