Für Logopädie
Logopädie
Fachliche Grundlagen, Screening-Hilfen und Materialien für die logopädische Arbeit mit Dysphagie-Patientinnen und -Patienten – evidenzbasiert und praxisnah.

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Diagnostischer Prozess: vom Screening zur Instrumentellen
Die Abklärung einer Dysphagie folgt einem gestuften Vorgehen – vom Screening am Bett bis zur instrumentellen Bildgebung.
Screening (GUSS, EAT-10)
Ein Screening dient der raschen Erstdetektion eines Aspirationsrisikos. In vielen Spitälern wird der Gugging Swallowing Screen (GUSS) – ein validiertes, kompaktes Verfahren – durch dafür geschulte Pflegefachpersonen unmittelbar nach Aufnahme eingesetzt. Fällt das Screening auffällig aus, folgt die Logopädie mit der klinischen Schluckuntersuchung (KSU) oder einem vertieften Screening. Ergänzend kann der EAT-10 (Eating Assessment Tool) als Selbsteinschätzungsbogen eingesetzt werden, um die subjektive Belastung zu erfassen.
Klinische Schluckuntersuchung
Die klinische Untersuchung umfasst Beobachtung der oralen Motorik, Sensibilitätsprüfung, Schluckversuche mit verschiedenen Konsistenzen und Beurteilung der Stimmqualität nach dem Schlucken. Sie liefert wichtige Hypothesen, hat aber Grenzen: Stille Aspirationen und pharyngeale Residuen sind klinisch nicht sicher erkennbar.
FEES (Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckakts)
FEES gilt heute als Goldstandard in der Dysphagiediagnostik. Sie erlaubt die direkte Beurteilung von Penetration, Aspiration, Residuen und Sekretmanagement in Echtzeit. FEES ist mobil einsetzbar (Bett, Praxis) und ohne Strahlenbelastung – besonders wertvoll für wiederholte Verlaufskontrollen.
Videofluoroskopie (VFSS)
Die Videofluoroskopie (auch: Breischluck, VFSS) zeigt den gesamten Schluckakt röntgenologisch in Echtzeit, einschliesslich ösophagealer Phase. Sie ergänzt FEES, wenn der obere Ösophagussphinkter oder die Bolustransitzeit beurteilt werden soll. Nachteil: Strahlenexposition und stationäre Durchführung.
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Therapieansätze bei Dysphagie
Die logopädische Dysphagiebehandlung kombiniert typischerweise drei Strategien – abgestimmt auf Ursache, Schweregrad und Rehabilitationsziel.
Restituierende Verfahren
Ziel ist die Wiederherstellung oder Verbesserung der Schluckfunktion selbst. Welche Übungen zum Einsatz kommen, richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Störung – die folgenden sind Beispiele, keine abschliessende Liste. Dazu gehören zum Beispiel mundmotorische Übungen (Zungen- und Lippenkraft, Gaumensegelaktivierung), thermotaktile Stimulation, das Mendelsohn-Manöver (verlängerte Larynxelevation) oder das Shaker-Übungsprogramm (suprahyoidale Muskelkräftigung).
Kompensatorische Techniken
Diese Techniken kompensieren die Störung, ohne sie zu beheben: Kopfhaltungen (Kopfneigung, Kopfdrehung zur betroffenen Seite), supraglottisches Schlucken (Stimmlippenschluss vor dem Schlucken), Nachschlucken und kräftiges Schlucken (effortful swallow). Sie werden individuell ausgewählt und unter FEES-Kontrolle überprüft.
Adaptive Massnahmen
Anpassung der Umgebung und der Nahrung: IDDSI-konforme Texturmodifikation, Andicken von Flüssigkeiten, angepasstes Geschirr und Besteck, Positionierung (aufrechte Sitzposition, Kopfhaltung). Adaptive Massnahmen werden häufig als Erstes verordnet und begleiten die gesamte Therapie.
Kostaufbau und Verlaufskontrolle
Der stufenweise Kostaufbau – vom Andicken hin zu dünneren Konsistenzen – erfolgt unter logopädischer Begleitung, idealerweise mit FEES-Kontrolle vor jedem Stufenwechsel. Standardisierte Verlaufsinstrumente (z. B. DHI, FOIS) dokumentieren den Fortschritt und sichern die Evidenz.
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Beratung
Dysphagie ist eine Querschnittsaufgabe. Erfolgreiche Behandlung steht und fällt mit der Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen.
Zusammenarbeit mit der Küche
Die Logopädie legt die sichere IDDSI-Stufe fest, die Küche setzt sie um. Sprechen Sie die gleiche Sprache: Verwenden Sie die IDDSI-Stufenbezeichnungen (Level 0–7) statt hauseigener Begriffe wie «passiert» oder «weich», die je nach Betrieb unterschiedlich interpretiert werden.
Zusammenarbeit mit der Pflege
Pflegefachpersonen sind bei den meisten Mahlzeiten präsent. Instruieren Sie das Pflegeteam zu Positionierung, Tempo, Zeichen für Aspiration und Mundpflege. Ein gemeinsames Schulungsgefäss (z. B. regelmässige Fallbesprechungen) sichert die Umsetzung am Bett.
Beratung von Betroffenen und Angehörigen
Erklären Sie die Schluckstörung, die verordnete Konsistenz und die Gründe dahinter allgemeinverständlich. Betroffene und Angehörige, die verstehen, warum eine bestimmte Stufe verordnet ist, halten sich zuverlässiger daran – gerade nach dem Spitalaustritt.
Ärztliche Abstimmung
Bei neurogener Dysphagie (z. B. nach Schlaganfall, bei Parkinson oder ALS) ist die enge Rücksprache mit der Neurologie oder HNO unerlässlich. Auch die Frage «PEG oder orale Ernährung?» wird interdisziplinär entschieden und regelmässig reevaluiert.
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Vom Befund zum Bissen – der Staffellauf
Dysphagie-Management ist ein Staffellauf: Diagnostik → Verordnung → Küche → Pflege → Patientin/Patient. Jede Übergabe zählt – und jede ist eine potenzielle Bruchstelle. Die Logopädie trägt die Verantwortung für den ersten Stab.
Das Staffellauf-Prinzip
Der Schluckbefund nützt nur dann, wenn er lückenlos umgesetzt wird: Die Logopädie diagnostiziert und verordnet die IDDSI-Stufe. Die Diätküche setzt sie in eine konkrete Speise um. Die Pflege reicht die Mahlzeit in der richtigen Haltung und im richtigen Tempo an. Die Patientin oder der Patient isst und trinkt. Fällt eine Übergabe aus, ist die gesamte Kette gefährdet – unabhängig davon, wie präzise die Diagnostik war.
Schnittstellenverluste erkennen
In der Praxis gehen Informationen regelmässig verloren: Die Verordnung erreicht die Küche verspätet oder in hauseigener Terminologie statt in IDDSI-Stufen. Die Pflege wird über Konsistenzänderungen nicht zeitnah informiert. Rückmeldungen von der Station («Patient hustet bei Level 4») erreichen die Logopädie nicht systematisch. Diese Verluste sind selten böswillig – sie entstehen, weil verbindliche Kommunikationswege fehlen.
Re-Evaluationszyklus verankern
Die Schluckfunktion verändert sich – durch Therapie, Krankheitsverlauf oder Medikamentenwechsel. Eine einmalige Verordnung reicht nicht. Planen Sie regelmässige Re-Evaluationen ein (z. B. alle 2–4 Wochen, bei Veränderungen sofort) und kommunizieren Sie Stufenwechsel aktiv an Küche, Pflege und Ärzteschaft. Ziel ist ein Kreislauf, kein Einbahnprozess.
Proaktive Rolle der Logopädie
Die Logopädie ist nicht nur Diagnostikerin, sondern Prozessverantwortliche für die sichere Nahrungsaufnahme. Das bedeutet: an Fallbesprechungen teilnehmen, Küchenpersonal zu IDDSI-Tests schulen, Pflegeteams zur Beobachtung anleiten und den Kostaufbau aktiv steuern – nicht abwarten, bis ein Problem eskaliert.
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Fachliche Grundlagen, Ursachen und Diagnostik.
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Der Gugging Swallowing Screen Schritt für Schritt.
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