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Fachwörterbuch

Glossar Dysphagie

Umfassendes Fachwörterbuch zu Schluckstörungen, Bindemitteln und Konsistenzstufen.

77 von 77 Begriffen

A

Agar-Agar

E 406

Pflanzliches Geliermittel aus Rotalgen. Bildet nach dem Aufkochen und Abkühlen feste, hitzestabile Gele. Wird in der Dysphagie-Ernährung für die Herstellung von gelierten Speisen verwendet. Erfordert Erhitzen, was für die spontane Andickung von Getränken unpraktisch ist.

BindemittelPflanzlich

Amylase-Resistenz

Eigenschaft eines Andickungsmittels, dem speicheleigenen Enzym Amylase standzuhalten. Stärkebasierte Andickungen werden im Mund durch Amylase abgebaut und dünnen nach («Nachdicken» entfällt, die Konsistenz wird dünner). Moderne Andickungsmittel auf Xanthan-Basis sind amylase-resistent und behalten ihre Viskosität.

BindemittelWichtig

Andickungsmittel

Substanzen, die zur Erhöhung der Viskosität von Flüssigkeiten und Speisen verwendet werden. Bei Dysphagie-Patienten ermöglichen sie ein sichereres Schlucken, indem sie den Bolus langsamer fliessen lassen. Gängige Andickungsmittel sind modifizierte Stärke, Xanthan und Guarkernmehl.

Grundbegriff

Andickungspulver

Spezielle Pulver (oft auf Stärke- oder Gummibasis wie Xanthan), die Flüssigkeiten und pürierten Speisen zugesetzt werden, um deren Viskosität zu erhöhen und das Schlucken sicherer zu machen. Moderne Pulver dicken nicht nach und sind geschmacksneutral.

Grundbegriff

Anreicherung

Fortifikation

Erhöhung des Energie- und Nährstoffgehalts einer Speise ohne wesentliche Vergrösserung der Portion – etwa durch Zugabe von Rahm, Öl, Butter, Eiweisspulver oder Maltodextrin. Zentrale Massnahme gegen Mangelernährung, besonders bei kleinen Essmengen.

TherapieGrundbegriff

Aphasie

Eine erworbene Sprachstörung nach abgeschlossenem Spracherwerb, die durch eine Schädigung des Gehirns (z. B. Schlaganfall) verursacht wird. Sie kann das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben beeinträchtigen. Tritt häufig zusammen mit Dysphagie auf.

Medizin

Aspiration

Das Eindringen von Material (Nahrung, Flüssigkeit, Speichel) in die Atemwege unterhalb der Stimmlippenebene (d. h. in die Luftröhre und Lunge). Dies kann zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen. Abzugrenzen von der Penetration, bei der Material nur bis oberhalb der Stimmlippen gelangt.

MedizinWichtig

Aspirationspneumonie

Lungenentzündung, die durch das Einatmen (Aspiration) von Fremdmaterial wie Speiseresten, Mageninhalt oder Speichel verursacht wird. Eine der schwerwiegendsten Komplikationen bei unbehandelter Dysphagie.

MedizinKomplikation
B

Bindemittel

Lebensmittelzusatzstoffe, die zur Anpassung der Textur von Speisen und Getränken eingesetzt werden. Bei Dysphagie sind sie unerlässlich, um die Viskosität von Flüssigkeiten zu erhöhen oder pürierte Kost zu stabilisieren. Wichtige Bindemittel sind Stärke, Xanthan und Guarkernmehl.

BindemittelGrundbegriff

Bolus

Der geformte Speisebrei, der durch Kauen und Einspeicheln im Mund entsteht und geschluckt wird. Die Bildung eines kohäsiven Bolus ist für einen sicheren Schluckakt essentiell. Bei Dysphagie kann die Bolusformung beeinträchtigt sein.

Grundbegriff
C

Carrageen

E 407

Polysaccharid-Gruppe aus Rotalgen mit verschiedenen Typen (Iota, Kappa, Lambda). Wird als Geliermittel und Verdickungsmittel eingesetzt. Bildet je nach Typ elastische oder feste Gele. Besonders geeignet für Milchprodukte und Desserts.

BindemittelPflanzlich

Cellulose-Derivate

E 460 - E 466

Chemisch modifizierte Cellulose, die als Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Füllstoffe dienen. Bilden je nach Derivat unterschiedliche Viskositäten (z. B. thermoreversible Gele bei Methylcellulose). Geschmacksneutral und kalorienfrei.

Bindemittel

Chin-Tuck

Kinnbeugung

Haltungstechnik, bei der das Kinn vor dem Schlucken zur Brust gesenkt wird («Kinn-zur-Brust»). Verengt den Luftweg-Eingang und kann bei bestimmten Formen der Dysphagie das Aspirationsrisiko senken. Wirkung ist individuell und sollte fachlich geprüft werden.

Therapie
D

Dehydration

Ein Zustand des Flüssigkeitsmangels im Körper, der bei Dysphagie-Patienten durch eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme entstehen kann. Symptome sind Mundtrockenheit, dunkler Urin und Schwäche. Regelmässige Flüssigkeitszufuhr in geeigneter Konsistenz ist wichtig.

MedizinKomplikation

Dysarthrie

Eine Sprechstörung, die durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht wird. Sie beeinträchtigt die motorische Ausführung von Sprechbewegungen, was zu einer undeutlichen oder verwaschenen Aussprache führt. Oft gemeinsam mit Dysphagie vorhanden.

Medizin

Dysphagie

Der medizinische Fachbegriff für eine Schluckstörung. Bezeichnet die Schwierigkeit oder Unfähigkeit, feste Nahrung oder Flüssigkeiten sicher und effizient vom Mund in den Magen zu transportieren. Kann alle Schluckphasen betreffen.

GrundbegriffWichtig
E

Enterale Ernährung

Ernährungsform, bei der die Nahrung über eine Sonde direkt in den Magen-Darm-Trakt gelangt (z. B. PEG-Sonde). Wird bei schwerer Dysphagie eingesetzt, wenn orale Nahrungsaufnahme nicht mehr sicher möglich ist.

Therapie

Epiglottis

Der Kehldeckel – eine blattförmige Struktur aus elastischem Knorpel, die beim Schlucken die Luftröhre verschliesst und so das Eindringen von Nahrung in die Atemwege verhindert. Zentral für den Aspirationsschutz.

Anatomie
F

FEES

Fiberendoskopische Evaluation des Schluckens – Ein diagnostisches Verfahren, bei dem ein dünnes, flexibles Endoskop durch die Nase in den Rachen eingeführt wird, um den Schluckvorgang direkt zu beobachten und Aspirationen oder Penetrationen zu erkennen.

Diagnostik
G

Gelatine

Tierisches Geliermittel aus Kollagen (Haut, Knochen). Bildet thermoreversible Gele – schmilzt bei Körpertemperatur im Mund. Wird für Aspik, Desserts und Gelees verwendet. Nicht für vegetarische/vegane Ernährung geeignet. Gelatine ist rechtlich kein Zusatzstoff und hat keine offizielle E-Nummer (die umgangssprachlich verwendete ‹E 441› ist nicht in der VO (EG) Nr. 1333/2008 gelistet).

BindemittelTierisch

Geliermittel

Substanzen, die aus flüssigen oder weichen Massen feste oder halbfeste Gele bilden. In der Dysphagie-Ernährung wichtig für die Herstellung formstabiler Speisen. Beispiele: Agar-Agar, Gelatine, Pektin, Carrageen.

BindemittelGrundbegriff

Globusgefühl

Subjektives Gefühl eines «Kloss» oder Fremdkörpers im Hals ohne objektivierbares Schluckhindernis. Kann Betroffene stark verunsichern; eine organische Ursache muss ärztlich ausgeschlossen werden.

SymptomMedizin

Guarkernmehl

E 412

Gemahlene Samen der Guarbohne. Starkes Verdickungsmittel, das auch in kaltem Wasser effektiv verdickt. Hohe Wasserbindungskapazität. Wird als Ballaststoff klassifiziert. Kann bei Überdosierung eine schleimige Textur erzeugen.

BindemittelPflanzlich

GUSS-Test

Gugging Swallowing Screen

Standardisiertes Bedside-Screening zur Ersteinschätzung von Schluckstörung und Aspirationsrisiko, häufig nach Schlaganfall. Prüft in mehreren Schritten (indirekt und direkt) und mündet in vier Schweregrade mit passenden Kostempfehlungen.

DiagnostikMedizin
H

Hustenreflex

Schutzreflex der Atemwege, der bei Eindringen von Fremdkörpern ausgelöst wird. Bei Dysphagie kann Husten während oder nach dem Schlucken auf eine Aspiration hinweisen. Das Fehlen von Husten schliesst eine Aspiration jedoch nicht aus (stille Aspiration).

Medizin
I

IDDSI

International Dysphagia Diet Standardisation Initiative – Internationaler Standard zur einheitlichen Beschreibung von Nahrungskonsistenzen und Flüssigkeitsdicken bei Dysphagie. Umfasst 8 Stufen (0-7) mit Farben und einfachen Testmethoden.

StandardWichtig

Iota-Carrageen

E 407

Ein Typ von Carrageen, der elastische, weiche Gele bildet. Besonders geeignet für Milchprodukte und Fruchtgele. Die Gele sind thermoreversibel und tauen nach dem Einfrieren wieder auf. Gut kombinierbar mit Kappa-Carrageen.

BindemittelPflanzlich
J

Johannisbrotkernmehl

E 410

Gemahlene Samen des Johannisbrotbaums. Benötigt Erhitzung für volle Verdickungswirkung. Bildet in Kombination mit Xanthan oder Carrageen elastische Gele. Geschmacksneutral und wirkt als Ballaststoff. Geringere Kaltwasserlöslichkeit als Guarkernmehl.

BindemittelPflanzlich
K

Kachexie

Krankheitsbedingter, ausgeprägter Abbau von Körpergewicht, Muskel- und Fettmasse, oft bei Tumor-, Herz- oder Lungenerkrankungen. Anders als beim reinen Nahrungsmangel lässt sich die Kachexie durch alleinige Kalorienzufuhr nur begrenzt umkehren.

MedizinKomplikation

Kappa-Carrageen

E 407

Ein Typ von Carrageen, der feste, brüchige Gele bildet. Benötigt Kaliumionen für optimale Gelbildung. Besonders geeignet für Fleisch- und Milchprodukte. Thermoreversibel – schmilzt beim Erhitzen und geliert beim Abkühlen.

BindemittelPflanzlich

Konsistenz

Die Beschaffenheit oder Textur von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten. Bei Dysphagie wird die Konsistenz gezielt angepasst, um ein sicheres Schlucken zu ermöglichen. Die IDDSI-Stufen definieren standardisierte Konsistenzen.

Grundbegriff

Kostform

Die individuell angepasste Ernährungsform für Dysphagie-Patienten. Wird basierend auf der Schluckfähigkeit festgelegt und umfasst Angaben zur Speisen- und Getränkekonsistenz gemäss IDDSI-Stufen.

Therapie
L

Lambda-Carrageen

E 407

Ein Typ von Carrageen, der keine Gele bildet, sondern nur verdickt. Wird hauptsächlich als Stabilisator in Milchprodukten und Saucen verwendet. Löst sich auch in kalter Milch gut auf.

BindemittelPflanzlich

Larynx

Der Kehlkopf – ein Organ am oberen Ende der Luftröhre, das die Stimmbänder enthält und beim Schlucken durch den Kehldeckel (Epiglottis) verschlossen wird. Zentral für den Schutz der unteren Atemwege.

Anatomie

Leaking (anteriores)

Das unkontrollierte Auslaufen von Nahrung oder Flüssigkeit aus dem Mund nach vorne, bevor der Schluckakt eingeleitet wird. Zeichen einer gestörten oralen Phase des Schluckens, oft bei Lippenschlussschwäche.

Symptom

Logopädie

Die medizinisch-therapeutische Fachdisziplin, die sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention von Störungen der Sprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens befasst. Logopäden sind zentral in der Dysphagie-Therapie.

Therapie
M

Mangelernährung

Ein Zustand, der durch eine unzureichende Aufnahme von Nährstoffen und Energie entsteht. Bei Dysphagie-Patienten ist das Risiko aufgrund von Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme erhöht. Regelmässige Ernährungsbewertung ist wichtig.

Komplikation

Modifizierte Stärke

E 1404 - E 1451

Chemisch veränderte Stärken (z. B. aus Mais, Weizen, Kartoffeln). Erhöhen die Viskosität durch Wasserbindung. Oft hitze- und kältestabil. In modernen Andickungsprodukten weit verbreitet. Können bei falscher Anwendung klumpen.

Bindemittel
N

Nachdicken

Das unerwünschte Phänomen, dass angedickte Flüssigkeiten mit der Zeit noch dicker werden. Tritt häufig bei stärkebasierten Andickungsmitteln auf. Moderne Xanthan-basierte Produkte dicken in der Regel nicht nach.

Grundbegriff

Nasogastrale Sonde

Ein dünner Schlauch, der durch die Nase über den Rachen in den Magen geführt wird. Ermöglicht Ernährung bei schwerer Dysphagie, wenn orale Nahrungsaufnahme vorübergehend nicht möglich ist. Für Kurzzeit-Ernährung geeignet.

Therapie
O

Odynophagie

Der medizinische Fachbegriff für schmerzhaftes Schlucken. Im Gegensatz zur Dysphagie, die primär die Transportstörung beschreibt, steht hier der Schmerz beim Schlucken im Vordergrund. Häufig bei Entzündungen.

Medizin

Orale Phase

Die erste Phase des Schluckakts, die im Mund stattfindet. Umfasst die bewusste Vorbereitung der Nahrung durch Kauen, Einspeicheln und Formen des Bolus. Bei Dysphagie kann diese Phase durch Zungenlähmung oder Sensibilitätsstörungen beeinträchtigt sein.

Grundbegriff

Oropharyngeale Dysphagie

Eine Form der Schluckstörung, die die orale (Mund-) und pharyngeale (Rachen-) Phase des Schluckens betrifft. Probleme treten bei der Vorbereitung des Nahrungsbolus und der Initiierung des Schluckreflexes auf. Häufig nach Schlaganfall.

Medizin

Ösophageale Dysphagie

Eine Form der Schluckstörung, die die Speiseröhre (Ösophagus) betrifft. Hier ist der Weitertransport der Nahrung von der Speiseröhre in den Magen gestört, oft durch mechanische Blockaden oder Motilitätsstörungen.

Medizin
P

PEG-Sonde

Perkutane Endoskopische Gastrostomie – Eine Ernährungssonde, die durch die Bauchdecke direkt in den Magen führt. Wird bei langfristiger enteraler Ernährung eingesetzt, wenn orale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist.

Therapie

Pektin

E 440

Pflanzliches Polysaccharid aus Äpfeln und Zitrusfrüchten. Bildet in Anwesenheit von Zucker und Säure weiche, streichfähige Gele. Klassisches Geliermittel für Marmeladen und Konfitüren. Natürlicher Ursprung.

BindemittelPflanzlich

Penetration

Das Eindringen von Material in den Kehlkopfeingang bis oberhalb der Stimmlippenebene. Im Gegensatz zur Aspiration gelangt das Material nicht unterhalb der Stimmlippen. Die klinische Relevanz hängt u. a. von Eindringtiefe, Menge, Häufigkeit, verbleibenden Rückständen und der Reaktion der betroffenen Person ab. Penetriertes Material kann bis unterhalb der Stimmlippen gelangen und damit aspiriert werden.

MedizinWichtig

Peristaltik

Wellenförmige Muskelkontraktionen von Hohlorganen wie der Speiseröhre, die dem Weitertransport des Inhalts (z. B. des Nahrungsbolus) dienen. Störungen der Peristaltik können zu ösophagealer Dysphagie führen.

Grundbegriff

Pharyngeale Phase

Die zweite Phase des Schluckakts, die reflexgesteuert im Rachen (Pharynx) abläuft. Der Bolus wird durch den Rachen transportiert, während die Atemwege durch Kehldeckelverschluss geschützt werden. Dauer nur ca. 1 Sekunde.

Grundbegriff

Pharynx

Der Rachen – ein muskulärer Schlauch, der Mund- und Nasenhöhle mit Kehlkopf und Speiseröhre verbindet. Zentral für die pharyngeale Phase des Schluckens. Kreuzungspunkt von Luft- und Speiseweg.

Anatomie

Presbyphagie

Altersbedingte Veränderungen des Schluckvorgangs (nachlassende Muskelkraft, verlangsamte Reflexe, verminderte Sensibilität). Für sich allein noch keine Erkrankung, erhöht aber die Anfälligkeit für eine Dysphagie, sobald zusätzliche Belastungen wie Krankheit oder Medikamente hinzukommen.

MedizinGrundbegriff
Q

Quellzeit

Zeitspanne, die ein Andickungspulver benötigt, um seine endgültige Viskosität zu erreichen. Moderne Pulver auf Xanthan-Basis quellen rasch und dicken danach nicht mehr nach; stärkebasierte Produkte brauchen oft länger und können nachdicken. Die Quellzeit ist wichtig, damit ein Getränk erst nach vollständigem Anquellen serviert und beurteilt wird.

BindemittelGrundbegriff
R

Regurgitation

Das Zurückfliessen von bereits geschluckter Nahrung oder Flüssigkeit aus der Speiseröhre oder dem Magen zurück in den Rachen oder Mund. Keine aktive Bauchpressung wie beim Erbrechen. Kann zu Aspiration führen.

Symptom

Residuen

Nahrungsreste, die nach dem Schlucken im Mund- oder Rachenraum (z. B. in den Wangentaschen, Zungengrund oder Valleculae) zurückbleiben. Erhöhen das Aspirationsrisiko nach dem Schlucken.

Symptom
S

Sarkopenie

Fortschreitender Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, häufig im Alter oder bei Mangelernährung. Betrifft auch die am Schlucken beteiligte Muskulatur und kann so eine Dysphagie verstärken. Bildet mit der Mangelernährung einen Teufelskreis.

MedizinKomplikation

Schluckmanöver

Willentlich ausgeführte Techniken, die den Schluckablauf sicherer machen, z. B. das supraglottische Schlucken (bewusstes Atemanhalten vor und Räuspern nach dem Schluck) oder das Mendelsohn-Manöver. Werden logopädisch angeleitet und geübt.

Therapie

Schluckphasen

Der Schluckakt wird in vier Phasen unterteilt: Orale Vorbereitungsphase (bewusst – Zerkleinern, Einspeicheln und Formen des Bolus im Mund), Orale Transportphase (bewusst – Bolustransport von der Zunge zum Rachen), Pharyngeale Phase (reflexgesteuert, im Rachen) und Ösophageale Phase (unwillkürlich, in der Speiseröhre). Die beiden oralen Phasen werden teils zur oralen Phase zusammengefasst (Drei-Phasen-Modell). Jede Phase kann bei Dysphagie gestört sein.

GrundbegriffWichtig

Schluckreflex

Der automatisch ausgelöste Reflex, der beim Berühren bestimmter Auslösezonen im Rachen den Schluckakt einleitet. Zentral für die pharyngeale Phase. Bei Dysphagie kann der Reflex verzögert oder abgeschwächt sein.

Grundbegriff

Sialorrhoe

Vermehrter Speichelfluss beziehungsweise unkontrolliertes Austreten von Speichel aus dem Mund. Entsteht bei Dysphagie meist nicht durch zu viel Speichel, sondern weil der vorhandene Speichel nicht zuverlässig abgeschluckt wird.

MedizinSymptom

Stille Aspiration

Von stiller Aspiration spricht man, wenn Material unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege gelangt, ohne dass deutliche äussere Zeichen wie Husten oder Räuspern auftreten. Ursachen können u. a. eingeschränkte laryngopharyngeale Sensibilität, neurologische Erkrankungen oder reduzierte Wachheit sein. Stille Aspiration kann durch klinische Beobachtung oder ein Screening nicht zuverlässig ausgeschlossen werden. Eine instrumentelle Schluckuntersuchung, insbesondere FEES oder VFSS (Videofluoroskopie), ist für die zuverlässige Beurteilung einer möglichen stillen Aspiration erforderlich.

MedizinWichtig

Synärese

Das Austreten von Flüssigkeit aus einem Gel («Schwitzen» oder «Weinen» des Gels). Bei texturmodifizierten Speisen unerwünscht, da die austretende dünne Flüssigkeit ein Aspirationsrisiko darstellen kann. Tritt je nach Geliermittel und Rezeptur unterschiedlich stark auf.

Bindemittel
T

Textur

Die fühlbare Beschaffenheit von Nahrungsmitteln (glatt, körnig, stückig, faserig usw.). Bei Dysphagie wird die Textur gezielt angepasst – z. B. püriert, zerkleinert oder weich – um ein sicheres Schlucken zu ermöglichen.

Grundbegriff

Texturmodifizierte Kost

Speisen und Getränke, deren Konsistenz gezielt angepasst wird (angedickt, püriert, weich, mundgerecht), um das Schlucken bei Dysphagie sicherer zu machen. Die Einstufung erfolgt heute nach dem IDDSI-Framework.

GrundbegriffWichtig

Thermoreversibilität

Eigenschaft mancher Gele, beim Erwärmen wieder flüssig zu werden und beim Abkühlen erneut zu gelieren (z. B. Gelatine, Agar-Agar teilweise). Thermoirreversible Gele (etwa mit Gellan oder bestimmten Alginaten) bleiben dagegen auch beim Erwärmen fest – wichtig für warme Speisen.

Bindemittel

Tracheotomie

Chirurgischer Luftröhrenschnitt zur Anlage eines Tracheostomas. Ermöglicht Beatmung und erleichtert das Absaugen. Kann das Schlucken beeinflussen. Spezielle Kanülen erlauben weiterhin orales Essen.

Therapie

Trinknahrung

Industriell hergestellte, hochkalorische und eiweissreiche Trinklösungen (orale Nahrungssupplemente, ONS) zur Ergänzung der normalen Ernährung bei Mangelernährung. Für Dysphagie gibt es angedickte Varianten in definierten IDDSI-Stufen.

TherapieGrundbegriff
U

Unterernährung

Anhaltender Mangel an Energie und Nährstoffen mit Gewichtsverlust und Abbau von Muskelmasse. Bei Dysphagie ein häufiges Risiko, weil das Essen anstrengt, länger dauert oder aus Angst vor Verschlucken reduziert wird. Angepasste Konsistenzen, Anreicherung und Überwachung des Gewichts helfen, ihr vorzubeugen (siehe auch Mangelernährung).

KomplikationMedizinWichtig

Uvula

Zäpfchen

Das Gaumenzäpfchen am hinteren Rand des weichen Gaumens. Beim Schlucken hebt sich der weiche Gaumen mitsamt Uvula und verschliesst den Nasenrachenraum (velopharyngealer Abschluss). Ein unvollständiger Abschluss kann dazu führen, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Nase gelangt (nasale Regurgitation).

AnatomieMedizin
V

Valleculae

Zwei muldenförmige Vertiefungen zwischen Zungengrund und Kehldeckel. Häufiger Ort für Residuen nach dem Schlucken. Bei FEES-Untersuchungen wichtiger Beobachtungspunkt für Bolusreste.

Anatomie

VFSS

Videofluoroskopische Schluckuntersuchung (auch Röntgenbreischluck) – Ein radiologisches Verfahren, bei dem der Patient kontrastmittelhaltige Nahrung schluckt, während der gesamte Schluckvorgang per Röntgenvideo aufgezeichnet wird.

Diagnostik

Viskosität

Die Zähflüssigkeit einer Flüssigkeit – der Widerstand gegen Fliessen. Bei Dysphagie wird die Viskosität von Getränken durch Andickungsmittel erhöht, um das Schlucken zu verlangsamen und sicherer zu machen.

Grundbegriff
W

Würgereflex

Gag-Reflex

Schutzreflex, der durch Berührung im hinteren Mund- und Rachenraum ausgelöst wird und ein Würgen hervorruft. Er wird oft mit dem Schluckreflex verwechselt, ist aber nicht dasselbe: Ein vorhandener Würgereflex bedeutet nicht automatisch sicheres Schlucken, und ein fehlender Würgereflex bedeutet nicht zwingend eine Schluckstörung.

AnatomieMedizinSymptom
X

Xanthan

E 415

Polysaccharid, hergestellt durch bakterielle Fermentation. Das wichtigste Verdickungsmittel für moderne Dysphagie-Ernährung. Bildet bereits in geringer Konzentration hochviskose, stabile Lösungen. Geschmacksneutral, dickt nicht nach, klumpt weniger als Stärke.

BindemittelWichtig

Xerostomie

Mundtrockenheit durch verminderten Speichelfluss, häufig als Nebenwirkung von Medikamenten, nach Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder bei bestimmten Erkrankungen. Erschwert die Bolusbildung und das Schlucken und erhöht das Risiko für Residuen.

MedizinSymptom
Y

Yale Pharyngeal Residue Severity Rating Scale

YPRSRS

Standardisierte Skala zur Beurteilung von Speiseresten (Residuen) im Rachen, die während einer endoskopischen Schluckuntersuchung (FEES) sichtbar werden. Sie bewertet die Rückstände in den Valleculae und Sinus piriformes je nach Menge in mehreren Schweregraden und ist auch auf Deutsch validiert. Sie gehört zur Schluckdiagnostik und nicht unmittelbar zu IDDSI oder zur texturmodifizierten Ernährung.

DiagnostikMedizin
Z

Zähflüssigkeit

Viskosität

Umgangssprachliche Bezeichnung für die Dickflüssigkeit bzw. den Fliesswiderstand einer Flüssigkeit. In der Dysphagie-Kost wird die Zähflüssigkeit gezielt eingestellt (z. B. sirupartig, honigartig), um das Schlucken sicherer zu machen. Fachlich exakter beschrieben durch die Viskosität und die IDDSI-Stufen.

GrundbegriffStandard

Zungengrund

Zungenbasis

Hinterer Teil der Zunge, der beim Schlucken den Nahrungsbolus nach hinten in den Rachen befördert. Eine eingeschränkte Zungengrund-Bewegung ist eine häufige Ursache für Schluckstörungen und führt oft zu Speiseresten (Residuen) im Rachen nach dem Schlucken.

AnatomieMedizin

Fachwörterbuch – laufend erweitert