Übersicht: Der GUSS-Test (Gugging Swallowing Screen) und Dysphagie-Management
Einleitung und Einordnung
Der GUSS-Test ist ein standardisiertes Screeningverfahren, um in der Akutphase (z. B. nach einem Schlaganfall) schnell den Schweregrad einer Dysphagie und das damit verbundene Aspirationsrisiko einzustufen. Er dient als Entscheidungsgrundlage für die initiale Ernährungssicherheit, ersetzt jedoch keine umfassende instrumentelle Diagnostik.
Voraussetzung für die Durchführung: Der Patient muss wach, aufmerksam und kooperationsfähig sein sowie eine stabile Atmung und eine aufrechte Sitzposition (mind. 60–90°) einnehmen können.
Einstufung und Ernährungsempfehlungen
Basierend auf den Testergebnissen erfolgt die Einteilung in vier Risikostufen:
1
Befund:
Keine/leichte Dysphagie; minimales Risiko.
Empfohlene Ernährung & Maßnahmen:
Normale Kost; Flüssigkeiten uneingeschränkt (initial unter Aufsicht).
2
Befund:
Leichte Dysphagie; niedriges Risiko.
Empfohlene Ernährung & Maßnahmen:
Pürierte oder weiche Kost; Flüssigkeiten nur schluckweise geben.
3
Befund:
Mäßige Dysphagie; Aspirationsrisiko.
Empfohlene Ernährung & Maßnahmen:
Kleine Mengen pürierte Kost; zusätzliche Ernährung/Flüssigkeit über Magensonde; Flüssigkeiten andicken (z. B. nach IDDSI-Stufen).
4
Befund:
Schwere Dysphagie; hohes Risiko.
Empfohlene Ernährung & Maßnahmen:
Keine orale Ernährung (Nahrungskarenz); vollständige enterale Versorgung über Magensonde.
Diagnostik und therapeutisches Vorgehen
Die Behandlung erfolgt interdisziplinär durch ein Team aus ÄrztInnen, LogopädInnen/SchlucktherapeutInnen, Pflegekräften und Ernährungsberatung.
FEES-Untersuchung
Zeigt das Screening (GUSS) Auffälligkeiten, muss eine endoskopische Untersuchung (FEES) folgen. Sie gilt als Goldstandard zur präzisen Analyse des Schluckaktes und zur Detektion von Rückständen (Retentionen).
Stille Aspiration
Ein lebensbedrohliches Risiko besteht, wenn Patienten Material (Speichel, Nahrung, Magensekret) in die Atemwege aspirieren, ohne einen Hustenreflex auszulösen. Dies wird oft erst durch die FEES sicher erkannt.
Therapeutische Maßnahmen
Neben der Kostanpassung kommen Schlucktherapie, Haltungsanpassungen (z. B. Chin-Tuck) und sensorische Stimulation zum Einsatz. Eine regelmäßige Reevaluation ist zwingend erforderlich.
Dysphagie-Stufen & -Niveaus
Um eine Mangelernährung (Malnutrition) trotz Schluckstörung zu verhindern, ist eine breite Bewertung des Ernährungszustands notwendig:
01
Energiebedarf:
Idealerweise Bestimmung des Ruheenergiebedarfs mittels indirekter Kalorimetrie, um die Zufuhr exakt anzupassen.
02
Mundhygiene:
Eine sorgfältige Mundpflege ist essenziell, da die Aspiration von keimbesiedeltem Speichel das Risiko für eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) massiv erhöht.
03
Psychosoziale Faktoren:
Beobachtung von Angst vor dem Verschlucken, Appetitlosigkeit oder sozialem Rückzug bei Mahlzeiten.
Fazit
Schlucken ist eine lebenswichtige Funktion. Dysphagien treten häufig bei Schlaganfällen, degenerativen Erkrankungen oder im hohen Alter auf. Eine frühzeitige Diagnose durch standardisierte Screenings wie den GUSS, gefolgt von fachärztlicher Diagnostik und einer individuellen Anpassung der Kostform, ist entscheidend, um Komplikationen wie Pneumonien zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.